
Gegenstand der Geographie ist die gesamtheitliche Erfassung, Beschreibung und Erklärung der Strukturen, Prozesse und Wechselwirkungen in der Geosphäre. Die physikalische, chemische und biologische Erforschung ihrer Einzelerscheinungen ist jedoch Gegenstand anderer Geowissenschaften wie Bodenkunde, Geobotanik, Geodäsie, Geologie, Geophysik, Hydrologie, Ozeanographie oder Meteorologie.
Die Bedeutung geographischen Wissens wurde, soweit historisch überliefert, erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Von Anaximander aus Milet wird berichtet, dass er der erste war, der um 550 v. Chr. eine Karte der Erde und der Meere skizzierte. Herodot von Halikarnassos (484–424 v. Chr.) verfasste eine Vielzahl von geographischen Berichten. Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis ca. 175) sammelte topographisches Wissen und gab Anleitungen für das Zeichnen von Karten. Die Erkenntnisse der Griechen nutzten die Römer weiter. Während des Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, in Europa wieder in Vergessenheit. Lediglich aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse.
Die neuzeitliche Geographie wurde von Bartholomäus Keckermann (1572–1608) und Bernhard Varenius (1622–1650) begründet. Sie entwickelten ein Begriffssystem, unterschieden „Allgemeine Geographie“ (geographia generalis) und die „Regionale Geographie“ beziehungsweise Länderkunde (geographia specialis). Sie sahen Völker, Staaten und Orte in einem räumlichen, historischen und auch religiösen Kontext.
Das Zeitalter der Aufklärung förderte Erklärungsversuche von Naturerscheinungen durch Wissenschaftler wie Johann Gottfried Herder (1744–1803) und Georg Forster (1754–1794). Anton Friedrich Büsching (1724–1763) verfasste die elfbändige Neue Erdbeschreibung mit Beschreibungen der Länder und deren Wirtschaft. Alexander von Humboldt (1769–1859) und Carl Ritter (1779–1859) begründeten schließlich die moderne wissenschaftliche Geographie, deren ursprüngliches, länder- und landschaftskundliches Forschungsprogramm auf Herders Kulturtheorie basiert.[3] Ferdinand von Richthofen (1833–1905) definierte die Geographie als „Wissenschaft von der Erdoberfläche und den mit ihr in ursächlichem Zusammenhang stehenden Dingen und Erscheinungen“. Die Geographen Alfred Kirchhoff (1838–1907) und Friedrich Ratzel (1844–1904) waren schon von Darwin geprägt.
George Perkins Marsh (1801–1882) erkannte bereits 1864 den Einfluss des Menschen auf die Natur im Gegensatz zur geodeterministischen Betrachtung. Elisée Reclus (1830–1905) entwickelte die Sozialgeographie, Paul Vidal de la Blache (1845–1918) das Konzept des Possibilismus. Albrecht Penck (1859–1945) führte die Geomorphologie voran. Alfred Hettner (1859–1941) definierte die Geographie als Raumwissenschaft. Carl Troll (1899–1975), Karlheinz Paffen (1914–1983), Ernst Neef (1908–1986) und Josef Schmithüsen (1909–1984) entwickelten die Landschaftsökologie, Sebald Rudolf Steinmetz (1862–1940) die Soziographie, Karl Haushofer (1869–1946) die Geopolitik und Hans Bobek (1903–1990), Wolfgang Hartke (1908–1997) sowie Walter Christaller (1893–1969) die Wirtschafts- und Sozialgeographie weiter.
Durch diese wachsende Spezialisierung im 20. Jahrhundert entstand die Vielfalt der heutigen Teildisziplinen und insbesondere die Spaltung zwischen Physischer Geographie und Humangeographie. Seit den 1960er-Jahren versteht sich die Geographie auch zunehmend als angewandte Wissenschaft und sucht ihre Themen im Zusammenhang mit Städtebau, Entwicklung des ländlichen Raumes, Raumplanung oder dem Umweltschutz.
Siehe auch: Liste der Entdecker, Geschichte der Kartografie, Geograph
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